Elektroautos haben den Ruf, im Betrieb günstig zu sein – aber die vollständige Kostenbilanz sieht komplexer aus. Anschaffungspreis, Wertverlust, Strom, Wartung und Versicherung ergeben zusammen ein Bild, das je nach Nutzungsprofil sehr unterschiedlich ausfällt.
Dieser Ratgeber rechnet drei typische Szenarien durch: Kleinwagen, Mittelklasse und Premium-E-Auto. So sehen Sie, was ein E-Auto wirklich kostet – pro Monat und pro Kilometer.
Die sieben Kostenblöcke
- Anschaffungspreis oder Leasingrate.
- Wertverlust.
- Stromkosten.
- Kfz-Versicherung.
- Kfz-Steuer.
- Wartung und Inspektion.
- Reifen und Sonstiges.
Beispiel 1: Kleinwagen – VW ID.3
- Anschaffungspreis: 40.000 Euro.
- Haltedauer: 5 Jahre, 15.000 km/Jahr.
- Wertverlust nach 5 Jahren: ca. 21.000 Euro (52 Prozent).
- Strom zu Hause (17 kWh/100 km, 0,35 Euro/kWh): 4.500 Euro.
- Versicherung: 4.500 Euro.
- Kfz-Steuer: 0 Euro.
- Wartung: 1.500 Euro.
- Reifen: 1.500 Euro.
- Sonstiges: 1.500 Euro.
- Gesamtkosten über 5 Jahre: ca. 34.500 Euro.
- Pro Monat: ca. 575 Euro.
- Pro Kilometer: ca. 46 Cent.
Beispiel 2: Mittelklasse – Tesla Model 3
- Anschaffungspreis: 45.000 Euro.
- Haltedauer: 5 Jahre, 20.000 km/Jahr.
- Wertverlust nach 5 Jahren: ca. 22.500 Euro (50 Prozent).
- Strom (Mix aus zu Hause und Schnelllader, 17 kWh/100 km): 8.500 Euro.
- Versicherung: 5.500 Euro.
- Kfz-Steuer: 0 Euro.
- Wartung: 2.000 Euro.
- Reifen: 2.000 Euro.
- Sonstiges: 1.500 Euro.
- Gesamtkosten über 5 Jahre: ca. 42.000 Euro.
- Pro Monat: ca. 700 Euro.
- Pro Kilometer: ca. 42 Cent.
Beispiel 3: Premium – Mercedes EQE
- Anschaffungspreis: 70.000 Euro.
- Haltedauer: 4 Jahre, 20.000 km/Jahr.
- Wertverlust nach 4 Jahren: ca. 38.500 Euro (55 Prozent).
- Strom (Mix, 20 kWh/100 km): 7.000 Euro.
- Versicherung: 5.600 Euro.
- Kfz-Steuer: 0 Euro.
- Wartung: 2.000 Euro.
- Reifen: 2.000 Euro.
- Sonstiges: 1.500 Euro.
- Gesamtkosten über 4 Jahre: ca. 56.600 Euro.
- Pro Monat: ca. 1.180 Euro.
- Pro Kilometer: ca. 71 Cent.
Stromkosten: Wo Sie wirklich sparen
- Eigene PV-Anlage: 2 bis 4 Euro pro 100 km.
- Haushaltsstrom (Nacht): 5 bis 7 Euro pro 100 km.
- Haushaltsstrom (Tag): 6 bis 8 Euro pro 100 km.
- Öffentliche AC-Säule: 8 bis 13 Euro pro 100 km.
- Öffentlicher DC-Schnelllader: 12 bis 18 Euro pro 100 km.
- HPC-Lader (350 kW): 15 bis 20 Euro pro 100 km.
Wer zu Hause mit Solarstrom lädt, fährt fast kostenlos. Wer ausschließlich auf öffentliche Schnelllader angewiesen ist, fährt teurer als mit einem sparsamen Diesel.
Wartung: Der unterschätzte Vorteil
Elektroautos haben deutlich weniger Verschleißteile. Es entfallen Ölwechsel, Ölfilter, Zündkerzen, Zahnriemen, Luftfilter, Auspuffanlage und Kupplung. Das reduziert die Wartungskosten um 30 bis 50 Prozent.
- Verbrenner: 500 bis 900 Euro Wartung pro Jahr.
- E-Auto: 200 bis 400 Euro Wartung pro Jahr.
- Bremsen halten länger durch Rekuperation.
- Kein Ölwechsel, keine Zündkerzen.
- Inspektionsintervalle länger.
Versicherung: Der Nachteil
E-Autos sind in der Kfz-Versicherung teurer als vergleichbare Verbrenner – meist 10 bis 20 Prozent. Grund sind höhere Reparaturkosten, teurere Ersatzteile und die aufwendigere Hochvolttechnik.
- Typklassen oft höher.
- Reparaturkosten durch Hochvolt-Sicherheitsanforderungen höher.
- Ersatzteile teurer.
- Werkstattnetz kleiner – besonders bei Nischenmarken.
Wertverlust: Der entscheidende Faktor
E-Autos verlieren schneller an Wert als Verbrenner. Die Ursachen sind technologische Entwicklung, Akku-Unsicherheit und Modellvielfalt.
- Jahr 1: 30 bis 40 Prozent Verlust.
- Jahr 2: 15 bis 20 Prozent.
- Jahr 3: 10 bis 15 Prozent.
- Jahr 4 bis 6: 8 bis 12 Prozent pro Jahr.
- Nach 8 Jahren: Wert abhängig vom Akku-SOH.
Wann rechnet sich das E-Auto?
- Bei eigener Wallbox und Solarstrom: deutlich.
- Bei 15.000 km+ pro Jahr und langer Haltedauer: meist ja.
- Bei öffentlicher Ladeinfrastruktur und hoher Fahrleistung: oft knapp.
- Bei kurzer Haltedauer (unter 3 Jahren): meist nicht.
- Bei Kauf eines jungen Gebrauchten: sehr oft ja.
Fazit
Elektroautos sind im Betrieb günstiger als Verbrenner – aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen: eigene Wallbox, ausreichend Fahrleistung, lange Haltedauer und möglichst günstiger Strom.
Wer diese Bedingungen erfüllt, spart über 5 Jahre oft 8.000 bis 15.000 Euro gegenüber einem vergleichbaren Verbrenner. Wer sie nicht erfüllt, fährt mit einem Hybrid oder sparsamen Benziner oft günstiger. Die richtige Wahl hängt vom eigenen Fahrprofil ab – nicht von pauschalen Aussagen.
